Für Herodes











"Freue dich nicht, du Land Palästina, dass die Rute, die dich schlug, zerbrochen ist! Denn aus der Wurzel der Schlange wird ein Basilisk kommen, und was daraus hervorgeht, wird verschlingen die Vögel. (Oscar Wilde)












Eine Variation der Salome Erzählung von Oscar Wilde materialisierte sich im April 2022 auf dem Hamburger Dom: rauschhaft, radikal und fragmentarisch erleben Salome und Jochanaan ihre Unmöglichkeiten als sich anziehende Entitäten. Ein Labyrinth aus angerissenen Wünschen, aus Herrschaft und Beherrschung ist entstanden, ebenso wie eine Kampfansage allen Herodes’.












Salome vereint in sich die Attribute einer beispielhaften, allerdings in dem Handlungsspektrum ihres Herrschaftskontextes gefangenen Freiheitskämpferin. Ihre Sehnsucht drückt sich durch ein Herrschaftsverhältnis aus, sie objektifiziert und exotisiert Jochanaan in seiner gottesfürchtigen Abstinenz, er bleibt eine Projektionsfläche. Sie ähnelt ihrem sie begehrenden Stiefvater in ihrer einnehmenden Begierde, kann aber im Gegensatz zu ihm nicht konsequenzlos handeln, denn sie ist eine Frau.
Ihr Mut, sich ihrem Vater gleichzustellen und es ihm gleichzutun, trotz aller Konsequenzen (Tod) macht sie in “Für Herodes” zu einer feministischen Figur, ebenso wie ihre Position als Antagonistin Jochanaans für die Regisseurin nur eine feministische sein kann.















“Ich sehe ein Spiegelkabinett in dem Salome -Jochanaan sehnend- immer nur sich selbst begegnet, ich sehe Jochanaan als leere Maske, ich sehe raunende Mönche bei den glasierten Äpfeln als Herodes Antipas, ich sehe Blut durch Ritzen rinnen, ich höre Salome Jochanaan hören, ich sehe seine geschundenen Füße, ich sehe zertrete Frösche, ich höre das Sirren der Heuschrecken und den Autoscooter, einen Rhythmus oder einen Herzschlag.”
(Dokumentation aus Notizheft: Gedanken zu Für Herodes)






Screening von “Für Herodes” im Metropolis Kino in Hamburg am 17.04.2023:

https://www.metropoliskino.de/kalender?film=668